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Montag, 3. november 2008
Und ich ahnte, dass die Probleme vorprogrammiert sein würden. Wir saßen am Rhein. Die Sonne ging unter und langsam wurde es wieder kälter. Ich zog meine Jacke wieder an. Er legte sich neben mich und umarmte mich. Innig und lang. Er wollte mich wärmen. Ich erwiderte. 18:19. Mitteleuropäische Zeit. Gleis 2. Es war Zeit Abschied zu nehmen. Ich wollte nicht. Es war ein wundervoller Tag gewesen. Ich hatte einen Beschützer gehabt. Vor den Tunten, vor den Alten, vor den Jungen. Vor Allen.  Wir standen am Gleis. Er küsste mich, ich küsste ihn. Es war der wohl intensivste Kuss meines Lebens.
Aufgrund von technischen Störungen, verspätet sich der Zug um rund 5 Minuten. Wir bitten dies zu entschuldigen. Also noch fünf Minuten. Ich atmete noch zwei Mal tief durch. Schaute ihn an. Seine blauen Augen. Alles andere war mir egal. Dann fuhr er ein. Zischen und Gerumpel. Man verstand kaum sein eigenes Wort.
„Ihr seid voll das süße Pärchen.“
Vielleicht passten wir ja doch zusammen. Ich stieg in den Zug. Wir küssten uns noch, als ich schon im Zug stand. Es roch bestialisch. Ich hatte Hunger. Die Tür glitt zu. Ein Knall. Der Zug setzte sich in Bewegung. Einige Tränen kullerten aus meinen Augen. Er winkte und schaute glücklich.  Ich setzte mich auf den Boden. Beobachtete die anderen schwulen und lesbischen Fahrgäste. Zwei junge Männer standen direkt gegenüber von mir. Sie sahen im Gesicht fast gleich aus. Ich holte meinen MP3-Player raus. Ich musste mich irgendwie ablenken, denn ich konnte die Tränen kaum noch unterdrücken und ich wollte nicht vor all diesen Leuten losheulen. „Little white lies“ von Jennifer Kae.
Die Fahrkarten, bitte. Ich hörte leise wie der Zugbegleiter sich näherte und die Fahrausweise verlangte. Wie in Trance zog ich die Karte aus meinem Portemonnaie. Ich dachte nach. Ich war kein bisschen charismatisch so, wie der Fremde. Wir konnten nicht zusammen passen. Eine weitere Träne rollte über meine Wange. Nächster Halt: Opladen. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Doch es musste ja nicht nur das Äußere stimmen redete ich mir ein.
„Nicht das Äußerliche, sondern das Innerliche muss stimmen.“
Eine Lüge.
von Fliegenklatsche
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Samstag, 1. november 2008
von Fliegenklatsche
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Donnerstag, 30. oktober 2008
Schwarze Chucks. Schwarze Hose. Schwarzes Shirt. Schwarze Jacke. Schwarze Haare. Blaue Augen. Eine charismatische Erscheinung. Er stand dort. Wie versprochen und zwar alleine. Ich war irgendwie überrascht, denn ich war davon ausgegangen, dass ich der einzige sein würde, der alleine auf den Christopher Street Day geht. Er lächelte mich an. Ich war hin und weg. Wenn ich eben im Zug noch nicht verknallt war, dann war ich es spätestens jetzt.
Ein lautes Hupengeräusch. Blecherne Musik. Sie jaulte und kreischte über die ganze Promenade. Fast automatisch ging ich ein Stück näher an meinen starken Begleiter. Und er kam ein Stück auf mich zu. Nur noch 50 cm. Ich konnte seine Wärme an meinen Handflächen schon regelrecht spüren.
„Was machst du denn so alleine auf dem Christopher Street Day?“
Gute Frage. Was wollte ich eigentlich hier?
„Mal schauen, was hier so alles passiert.“
Was für eine dumme Antwort. Ich hätte mich sofort selber schlagen können. Wir waren inzwischen an einer Hawaii-Bar angekommen. Er regelte alles. Er bezahlte. Ich trank. Eine Mischung aus Kokosnuss, Maracuja und Orange. Ich hasse Kokosnuss. Doch ich konnte es ja nicht einfach so zurückweisen. Mein Begleiter erzählte sehr viel über seine kommunistische Veranlagung und wie er den Nazis eins auswischen würde. Zuerst bewunderte ich ihn dafür. Seinen Mut auf den ganzen Demonstrationen. Langsam wurde mir bewusst, dass er aber auch nicht vor Gewalt zurückschreckte. Wir küssten uns. Eine höhere Gewalt zwang mich geradezu. Ich konnte nicht widerstehen. 12:32. Mitteleuropäische Zeit. Die Parade war fast zu Ende. Wir hatten uns in eine Ecke verzogen und die Lippen nicht mehr voneinander gelassen.
von Fliegenklatsche
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